Countdown to Blow-Up 2012

Am 21.12.2012 geht die Welt unter. Die antike Kultur der Mayas sagte es voraus und gab abertausenden Journalisten einen Grund, die Textmaschine anzuwerfen. Für Fragen zum tatsächlichen Ablauf konsultiere man den Scienceblog (Link). Für passende Begleitumstände und etwas persönlichere Kommentare bleibe man hier.

R.E.M. gilt als eine der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten und hatte ihren Zenit längst überschritten, als kopfregie sich mit ihr bekannt machte. „Automatic for the people“, der Bestseller unter ihren Alben erschien im selben Jahr, in dem der Autor dieses Textes in die glorreiche Zeit der 90er Jahre geboren wurde. Neben Grunge und Rave spielte „Americas best Rock&Roll-Band“ mit unaufgeregt tiefgründigen Texten und Folk-Akkorden in die Herzen der Radiohörer und Köpfe der Feuilletonisten und dabei völlig an mir vorbei. Das Popkultur-Verständnis eines Jugendlichen Baujahr 92 beschränkte sich eben hauptsächlich auf Ronan Keating, TATU und  Rocco’s Modernes Leben, für die nachdenklichen Gesänge Michael Stipes hatte man ebenso wenig übrig wie für Steuererklärungen und den Apple-Aktienkurs. Und während R.E.M. erfolgreich ignoriert wurde, suchte sich die Band klammheimlich einen subtileren Weg in meinen Kopf.

Als ich Kirche und Religion verdammte und die Tischgebete meiner Mutter mit störrischem Schweigen beantwortete, war „Losing my religion“ der Soundtrack, der mein Tun erst möglich machte. Die Lautstärke auf hoch, das gefühlte Niveau auf höher, war R.E.M. das, was Jahre zuvor der Mathematik-Protest des Kiddi-Contests war. „Die Losen ihre Religion auch, Mama“ sagte ich mir selbst und manchmal laut, an mutigen Tagen, und wusste dabei nichts über die Band, außer dass einer von denen eine Glatze hatte. In meiner Vorstellung ist die Modellfrisur des Atheismus noch immer der Haarausfall.

Und auf diesem Bild wohl ein Toupet

Als ich Filme zu lieben und Jim Carrey zu hassen begann, war R.E.M.s „Man on the Moon“ der versöhnende Mittelsmann. Ihr Soundtrack zur gleichnamigen Filmbiografie war die einzige Konstante auf meinem ersten MP3-Player und belegte ein gutes Zehntel des verfügbaren Speichers, in Megabyte und Aufmerksamkeit gleichermaßen. Jim Carreys zerbrechliche Darbietung von Andy Kaufman passte nicht nur wie die Faust aufs Auge auf dessen Leben, sie passte mindestens ebenso gut zu den melancholischen R.E.M.-Tönen, die Jim’s übrige Filme erfolgreich verdrängten.

R.E.M., deren Name sich übrigens von der träumerischen Schlafphase „Rapid Eye Movement“ ableitet, lösten sich vor knapp einem Jahr, am 21. (!) September auf, und verpassten den besungenen Weltuntergang damit nur um ein Haar. Oder verbrachten die letzten 12 Monate mit dessen Auslösung, wie auch immer.

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