Kurzes zur Bundesheerdebatte

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Ich erinnere mich an den Film „Citizen Kane“. Charles Kane vollzieht mit vollem Einsatz bis hin zur Sturheit seine Projekte, und kein noch so vernünftiges Argument bringt ihn dazu erfolglose Projekte als gescheitert zu akzeptieren. Er verbeißt sich, geht mit dem Kopf durch Wände und beginnt in seinem Wahn die Realität auszublenden bis sie ihn zerstört. So verhält es sich auch – und dieses Mal nicht cineastisch – mit Norbert Darabos. Trotz aller Unvernunft treibt dieser sein Projekt weiterhin voran. Ohne Rückhalt. Ohne Geld. Ohne Plan. Bisherige Pilotprojekte gelten als gescheitert, doch die breite Öffentlichkeit weiß nichts davon. Der Bauplan der roten Bundesheerreform gleicht einem Haus, bestehend aus einem Quadrat mit aufgesetzten Dreieck; präsentiert vom Chefarchitekten im Elfenbeinturm Verteidigungsministerium.

Dies soll keineswegs ein Plädoyer für die Beibehaltung der Wehrpflicht sein, denn die erschütternde Ahnungslosigkeit wütet auch in den anderen Parteien. Die Argumentation mit egalitärem Beisammensein, der integrativen Funktion und der erlernten Disziplin sind typisch und haben alle den gleichen Haken: Sie sind schlicht und ergreifend falsch!

1. Der familiäre Hintergrund entscheidet selten über die soziale Stellung unter den Rekruten, weil er unter diesen meistens nicht bekannt ist.

2. Wenn Akademiker- und Arbeiterkinder von den Ausbildnern in gleichem Maße beleidigt und traktiert werden, stellt dies keine Gleichstellung zweier Schichten dar, sondern lediglich die rudimentär vorhandene Sozialkompetenz von Unteroffizieren.

3. Gleichstellung bedeutet auch: Frauen sind verpflichtet zu Wehr- oder Zivildienst. Die Folgen sind klar: Während Frauen früher studieren können, sind die Männer für mindestens 6 Monate keine Steuerzahler bzw. studieren später, verlieren durch das System ein Jahr und sind dementsprechend später berufstätig.

4. Die „Disziplin“ im Bundesheer bedeutet nicht Disziplin, sondern mit Verhaltensregeln und Zwang (unter Androhung und Anordnung von Strafmaßnahmen) auferlegte Gehorsamkeit, was einen bedeutenden Unterschied darstellt.

5. Der Umgangston im Bundesheer ist grob, niveaulos und laut. Überall.

6. Integration findet statt. 6 Monate lang. (Ich persönlich habe nirgendwo mehr Ausländerfeindlichkeit vernommen als im Bundesheer)

Die weiteren Argumente mit Katastrophenschutz und Zivildienst bzw. sozialem Jahr sind unausgegoren, denn Katastrophenschutz leisten in erster Instanz Feuerwehren und Freiwillige. Der beste Katastrophenschutz sind sichere Bauten und die richtigen Vorkehrungen.

Wie im Heer krankt es auch im Zivildienst an Systemerhaltern. Und: Alle 6 bzw. 9 Monate müssen Neue angelernt werden.

Wieso FREIWILLIGES soziales Jahr? Auch Langzeitarbeitslose, Sozialfälle, Menschen mit Einschränkungen können hier ins System integriert werden. Wenn nötig zwangsweise.

Zuletzt: Die Kosten. Beides soll gleich teuer sein? Die Umstellung kostet also nichts, Herr Darabos? Was ist mit den tausenden fettleibigen Unteroffizieren, die selbst Systemerhalter sind und nachmittags Fußball und Tennis spielen? Sollen wir die wieder ins System integrieren und Gefechtsdienst absolvieren lassen? Mit diesen dann der NATO beitreten und uns zu Kriegshandlungen verpflichten lassen?

Oder sollen wir doch das kranke, alte, teure System erhalten, ÖVP und FPÖ? Tausende junge Männer zu sinnlosem Marschieren, Salutieren und Putzen verpflichten und sie der Wirtschaft vorzuenthalten? Die Phrase „Dienst am Staat und der Gesellschaft“ weiter benutzen, wo doch eigentlich die Politiker vom Souverän (das Volk) gewählt worden sind, damit diese ihren „Dienst am Staat und der Gesellschaft“ verrichten und jetzt ein krankes System verteidigen, das diese errichtet haben?

Herr Darabos: Denken Sie ihr Projekt zu Ende, bevor Sie es bauen! Sie haben begriffen, dass ein Eingriff nötig ist. Aber: sie sind wie Charles Foster Kane. Sie wollen das Berufsheer nicht für Österreich, sie brauchen es für sich selbst, für ihr Ego. Österreich soll ihren Namen in Erinnerung behalten. Und weil die Zeit knapp wird, drängen Sie auf die Volksabstimmung. Denn nach den Wahlen müssen Sie vielleicht Verteidigungsminister a.D. auf ihrer Visitenkarte anführen.

Herr Spindelegger: Sie wissen ebenso wie ich, das Bundesheer ist krank. Während ihr Minister Darabos zur Operation drängt, bestehen Sie auf der konservativen Abwartemethode, wägen ab und zögern. Lassen Sie das. Der Patient braucht Hilfe. Wahlen hin oder her.

Herr Bundespräsident: Bringen Sie die Parteien an den Tisch! Dilettantismus, Egomanie und Streit helfen niemanden. Bis zu den Wahlen bleibt wenig Zeit und die aktuelle Lage lässt tausende Wähler zu Parteien ziehen, die glauben Demokratie kaufen zu können oder Ausländer pauschal zu Verbrechern macht. Intervenieren Sie, legen Sie den Streit bei, setzen Sie die Volksabstimmung aus und beweisen Sie Verantwortung und Loyalität gegenüber dem Volk.

/jf

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