#Aufschrei! – Warum wir Männer vor Frauen Angst haben…

 

…und uns mit Sexismus schützen. Eine Skizze von männlicher Feigheit, Ignoranz, mangelhafter Selbstreflexion und einer nicht ganz unschuldigen Gesellschaftspolitik.

Rainer Brüderle tat es, Dominique Strauss-Kahn tat es, Silvio Berlusconi tut es noch immer und schämt sich nicht einmal dafür: sie domestizieren die Frau zum untergegebenen Lustobjekt. Eine anzügliche Bemerkung am Arbeitsplatz hier, ein steifer Blick auf das Dekolleté der 22-jährigen Studentin, die in der U-Bahn gegenüber sitzt, dort, nichts Besonderes. Dass vieles unterschwellig mitschwingt, dessen sind sich Männer nicht bewusst. Denn die Handlung spricht immer denselben Satz: »Ich bin ein Mann, du bist eine Frau«. Nicht im biologischen, sondern im sozialen Kontext (Simone de Beauvoir!). Ein Satz, eine Handlung bringt auf den Punkt, was noch immer falsch läuft, nämlich das Selbstverständnis der Männer, dass sie in erster Linie Männer sind und Frauen in erster Linie Frauen sind. Erst danach kommt, was eigentlich an erster Stelle stehen müsste: Mann und Frau sind zuallererst Mensch, mit menschlichen Bedürfnissen, menschlichen Eigenschaften und menschlichen Stärken und Schwächen. Wer ist aber überhaupt schuld daran, dass Frauen unterdrückt werden? Dass sie im Katholizismus separiert wurden (die Männer rechts, die Frauen links)? Dass die Wissenschaft lieber Geschlechterunterschiede erforscht hat (vgl. Humboldt, Freud, etc.), anstatt Geschlechtergemeinsamkeiten zu suchen? Dass die Politik und die Gesellschaft ein Frauenbild entwirft und die Frau nicht ihre eigene individuelle Freiheit bekommt, ihr eigenes autonomes Selbstbild zu konstruieren? Wieso haben wir Männer Angst vor Homosexualität, wenn in den griechischen Götter- und Heldensagen beinahe in jeder Sage homoerotische Momente thematisiert sind? Ja, wer ist schuld daran? Wir alle! In dem wir trennen und abschotten, typisieren und stereotypisieren, urteilen und verurteilen. Unser Drang nach Klarheit und Simplizität, unsere Unfähigkeit Vielfalt zu akzeptieren, unser Verlangen nach Autorität und Ordnung brachte uns eine Welt mit tausenden von Grenzen, Wänden und Zäunen, Siegern und Verlieren, Einheimischen und Ausländern, Heimaten und Fremden. Was tief in uns drinnen steckt, suchen wir durch Abgrenzung und Markierung, durch Zuweisung von Merkmalen äußerer und innerer Natur (!), nämlich Identität. Wir Europäer diskriminieren Schwarze, weil sie anders sind, und dabei sind sie dasselbe wie wir: Menschen. Wir Männer diskriminieren Frauen, weil sie anders sind, und dabei sind sie dasselbe wie wir: Menschen; und wir sollen es nicht wahrhaben, dass die Menschheit einen Jahrtausende andauernden Prozess endlich stoppen muss: Einzigartigkeit entsteht nicht durch Abgrenzung und Ausschluss, sondern durch Begabung. Identität besteht nicht aus Grenzen und Merkmalen, sondern aus Selbstsicherheit und der Akzeptanz anderer Identitäten. Die Brüderles und Berlusconis tun das, was wir alle tun, wir klammern und orientieren uns an Rollenbildern, in denen wir uns als individuell frei bezeichnen, und dabei einem Entwurf nachjagen, den wir selbst nicht verstehen und uns dazu bringt andere zu diskriminieren. Der Mensch hat vieles überwunden, hat viele Ängste bezwungen, die Angst der Männer vor Identitätsverlust wird aber unbesiegt bleiben, solange wir das tun, wozu uns Facebook zuallererst auffordert: Entwirf dein Profil.

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