Butlers – Eine Liebeserklärung

Butlers

„Butlers“, ich liebe dich.

Ich kenne dich noch gar nicht lang, das gebe ich offen zu. Auch wenn das Konzept der Hipster-Nostalgie auch in Italien existiert, findet man deren Vertreter hauptsächlich auf Flohmärkten und in den Trödelläden der Republik. Doch um das Gefühl, sich Möbel mit Oma-Flair und echt unechten Rotweinflecken in die gute Stube zu stellen, geschickt zu vermarkten, brauchte es schon deutsche Gründlichkeit. Und jetzt stehst du da, in Einkaufszentren und –straßen, du Ikea der Last-Minute-Geschenkideen, so unfassbar liebenswürdig und einzigartig, auch wenn selbst deine Glas-Teller blechern scheppern und für 15,99 über die detailverliebte Ladentheke gehen.

Ich liebe dich Butlers, denn meine Mutter kennt dich noch nicht und freut sich ständig wie ein kleines Kind, wenn ich Krimskrams nach Hause bringe, der an schlechteren Tagen einen Caritas-Sack gefüllt hätte, und ich fühle mich, als würde ich sie betrügen, denn die Umrühr-Schokolade kombiniert das Aussehen von liebevoller Handarbeit  mit dem 0815-Flair einer McDonald’s-Geschenkkarte. „Die Schoko lügt“, möchte ich ihr zurufen, „und 11 meiner Freunde haben letzten Monat das exakt gleiche Produkt in Händen gehalten.“

Doch ich bin still, weil sie sich freut und das ganze hinreißend aussieht, mein Gott, da steckt sogar ein Löffel drin.

Butlers verkörpert alles, was ich an der Globalisierung liebe („Was, der Tee kommt aus südchinesischen Provinzen?“) und absolut alles, was ich daran hasse: Butlers schafft das Angebot für eine Kultur, die in Indien für ein deutsches Unternehmen nach altenglischen Designs Möbel produziert, die in Österreich verkauft werden, und dabei aussehen, als wären sie während des 1. Weltkriegs in der französischen Provence zerbombt worden.

Und ich kaufe weiter dort ein, weil alles da drin nach Flohmarkt riecht, nur ohne Muff und Staub und Menschenkontakt und der geheime Deal mit meinem Umfeld, in dem zwar jeder weiß, dass wir alle unsere Geschenke dort einkaufen („Butlers?“ „Mhm.“), aber jeder so tut, als wäre das nutzlose Dingsbums ein liebevolles Krämer-Juwel, bleibt weiterhin aufrecht. Ach kommt schon, die verkaufen Marmelade in Miniatur-Gläsern, schaut doch mal. <3

„Butlers“, ich liebe dich, aber ich hasse mich selbst dafür.

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