…bedankt sich bei Rudolf Wacker für…

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…die Penis-Überraschung. Ein Erlebnisbericht meiner Unreife.

Ich mag Kunst, wirklich. Wenn da nicht immer diese Kunstexperten wären. Hochklassig klugscheißende Voyeure mit einer Einzelmeinung, voreingenommen in ihrer Betrachtung, missionarisch unterwegs einem anderen Besucher Begeisterung beizubringen, denn schließlich ist das Zuhören Privileg. „Lieber schnell weg“, war mein Gedanke und verzog mich schnell zum Selbstportrait in die Ecke rechts hinten, wo mich zwar die Worte noch erreichten, aber des Galeristen Aufforderung zum Zuhören nicht mehr. Ein Bild muss frisch konsumiert werden, ohne Erwartungen und Anforderungen, ohne Chauffeur und Touristenführer, der einem das Bild mundgerecht serviert, vorkaut und wieder und wieder mit eigener Meinung versehen wieder ausscheißt. Wo soll das denn noch enden? Das Bild-Betrachter-Verhältnis muss ein erotisches sein, ein ungezwungenes und unbekanntes. Nichts ist aufregender als die ersten Liebesnächte, wo man entdeckt, führt und geführt wird, kitzelt, schwitzt, sucht, findet, sieht und übersieht, lechzt und ächzt, reibt und treibt, nicht spricht und alles verrät, befriedigt und befriedigt wird. Genug jetzt! Kunst ist kein Ejakulat, sondern etwas Sinnliches, befreit von jeglichem niederen Trieb des Menschen. So sei es, und gehe weiter. Ich sehe und höre: Landschaften voll mit Neuer Sachlichkeit, gemalt mit weltmännischer Kriegserfahrung des 1. Weltkriegs, Portraits skizziert mit äußerstem Intellekt, dem Schmerz des Verlustes, des Hungers und des Durstes. Ich sehe eine endlose Reihe von Strichführungen, von Pinseln und Bleistiften, Leinwänden und Papieren, Landschaften, Portraits, Aktmalereien, natürlich kunstvoll, wie der Mann sagt. Und dann: Ein Penis. Ein richtiger Penis. Behaart und erigiert. Ich lache los. Das Profanste der Welt, was die Welt zu bieten hat, hängt vor uns an der Wand: Ein Phallus. 20x30cm. Öl auf Papier in Farbe. Zartrosa. Das hat die Welt noch nicht gesehen! Da spricht der Galerist von Neuer Sachlichkeit und dann hängt ein fetter Bolzen an der Wand, das Zeitloseste vom Zeitlosen, ein Dödel. Überdimensioniert und mit drei Eiern. Elegant und schlicht, kein Hintergrund, keine Beine, kein Bauch, nur Penis, so wie er gehört. Hart, lang und bereit zum Einsatz. Und ich sage: „Das ist eindeutig eine Analogie zur Keule des Herakles, die sogenannte Herkuleskeule. Nicht zu verwechseln. Die Parallelen sind unübersehbar“, und zack, Ellbogenstoß von links. Aufforderung verstanden. Ich pruste noch ein wenig und verschwinde unter den missbilligenden Augen aller anderen, aber das war’s wert.

/jf

 

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