Stoppt den Inhalt

295525_10201310710192849_1472162719_n

Wie die private Kriegserklärung Toni Ebners dafür sorgt, dass die „Dolomiten“ sämtliche journalistische Standards über Bord wirft.

Markus ist 17 und hat Freunde. Die spielen Fußball wie er, sprechen also auch mal italienisch. Er hört Frei.Wild, aber auch mal Xavier Naidoo, der ganze politische Kram interessiert ihn wenig. Er hat zwar nichts gegen Ausländer, aber die, die sich nicht integrieren, können das Land auch verlassen, findet er. Kurzum: Markus ist ein stinknormaler Südtiroler. Und als solcher trinkt er samstags auch mal einen zu viel. Letztes Wochenende hat ihn das in Schwierigkeiten gebracht. Das Ergebnis: ein ausgeschlagener Zahn, die Faust gehörte einem 18-jährigen Jungen mit albanischen Eltern. Markus geht zur Polizei, die sieht den fehlenden Zahn und beim ausfindig gemachten „Täter“ ein blaues Auge. Beide waren betrunken, eine Anzeige wird nicht aufgenommen, kein Mensch kann sich mehr erinnern was genau passiert ist. Markus ist enttäuscht. Er schreibt einen Leserbrief, jammert am Stammtisch und ein paar Leute aus seinem Umfeld haben nun eine kleine Abneigung gegen „die Albaner“. Die Sache ist gegessen.

In Zukunft könnte das anders sein, denn Markus hat nun ein redaktionelles Forum. Es nennt sich „Stopp der Gewalt“ und erlaubt ihm, eine Horrorstory über die „schlägernden Ausländer“ zu publizieren, die es in sich hat. Eine Viertelseite ist ihm sicher, Fakten kann er biegen, den Alkohol verschweigen, journalistische Überprüfung hat er nicht zu befürchten, polizeiliche schon gar nicht. Und das nur, weil Herr Chefredakteur ein Hähnchen zu rupfen hat.

Aber von vorn.

Am 11. Juni begann die Tageszeitung „Dolomiten“ eine ganzseitige Kampagne, die den Titel „Stopp der Gewalt“ trägt. Es ist die Hauptstory des Tages, Teaser auf der Titelseite inklusive. Der Titel des Artikels: „Sie schlagen zu , bis Blut fließt“, darunter ein als recherchierte Story getarnter Meinungstext, der mit Allgemeinplätzen und populistischen Aussagen um sich schlägt. Wer „sie“ sind, ist schnell klar, an mehreren Stellen wird prominent darauf hingewiesen:

„Banden von Jugendlichen – vorwiegend aus Albanien“

„eine Bande von Albanern“

„Probleme mit Albanerbanden“

Ihre Opfer sind „junge Südtiroler“, die „friedlich“ feiern und stets „in der Minderzahl“ brutal zusammengeschlagen werden. Es ist ein schönes Bild, das die Dolomiten zeichnet und es lässt sich leicht auf eine noch viel schönere Aussage ummünzen: Dort die Ausländer (vorwiegend aus Albanien), hier unsere brave Jugend. Es herrscht Krieg und wir sind die Defensive. Quellenangaben werden im Text unterschlagen, vermutlich existieren sie nicht, als Autorität müssen insgesamt sechs Kurzinterviews herhalten, darunter selbst ein Diskothekenbesitzer, der die Existenz von Albanerbanden selbstverständlich bestätigt und ihre „Praktiken“ in den wüstesten Verschwörungstheorien ausmalt. Enthüllung: Sie locken mit „unseren“ Mädchen, die durch ihr Augenzwinkern die braven, wohlgläubigen Südtiroler Jungen in dunkle Gassen locken, um sie dort zusammenzuschlagen. Sie klauen unsere Mädchen, lautet der Subtext. So einfach findet NS-Rhetorik seinen Weg in das größte Südtiroler Printmedium.

Es nutzt wenig, dass der Beitrag von beschwichtigenden Kommentaren diverser Ausländer/innenbeirate flankiert wird. Dass selbst die zu 100% dementierenden Aussagen der Quästur bzw. der Carabinieri im Haupttext geschickt übergangen werden, signalisiert dem Leser und der Leserin: Das sind Meinungen von Gutmenschen, die Realität sieht anders aus. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Von 42 Gewaltfällen, die im vergangenen Monat angezeigt wurden, waren in lediglich 4 Fällen Albaner involviert, italienische und ausländische Staatsbürger/innen halten sich absolut die Waage, für organisierte Banden gibt es nicht den geringsten Hinweis und Südtirol ist italienweit Vorreiter in Sachen Verbrechensbekämpfung.

Die Dolomiten erklärt diesen eklatanten Unterschied zwischen Realität und Darstellung mit einem Totschlagargument: Die meisten Gewalttaten würden nicht angezeigt, weil die Opfer Angst vor Morddrohungen hätten. Einen Beleg für diese Aussage gibt es nicht, jegliche Statistiken von Sozialinstituten, Sicherheitskräften und Regierungen werden aber mit einer einzigen Behauptung als unvollständig entkräftet. They call it journalism.

Bildschirmfoto 2013-06-13 um 18.13.57

Die Geister, die ich rief…

Unterstützt werden die Behauptungen durch anonyme Leser/innenbeiträge, die der Dolomiten „Anzeige erstatten“. Abgesehen davon, dass die „Dolomiten“ ihre Pflichten als vierte Macht im Staat ganz schön ausdehnt, ist das Format an sich der wahre Skandal.

Es gibt einen guten Grund dafür, dass in einem Rechtsstaat beide Seiten einer Anklage angehört werden und für journalistische, politische Kommentare kein Parteifunktionär eingeladen wird. Objektivität beginnt und endet in der Betrachtung zweier Seiten, die sich mit Klarnamen äußern und eine sachliche Debatte führen. Das selbe Blatt, das selbst bei seinen Leserbriefen absolute Klarnamenpflicht inklusive Adressenangabe fordert, erlaubt nun das Publizieren von Hasstiraden über angebliche Gewalttaten, die unter keinem Gesichtspunkt journalistischer Richtlinien überprüft werden und werden können.

Die Dolomiten macht es sich einfach: Leserstories müssen nicht recherchiert werden. Dafür bringen sie das mit, was im heutigen Zeitungsgeschäft gefragt ist, wie die warme Semmel: Authentizität. Kein Wunder, dass einschlägige Blogs wie der „dolomitengeistblog“, den ich hier jetzt einfach mal nicht verlinke, die „Berichterstattung“ aufsaugen wie der Populist seine Facebook-Likes. Auch die ersten Leserbriefe zum Thema zeigen, dass die Panikmache wirkt:

„Endlich wird das Thema Ausländergewalt nicht mehr als normale Schlägereien abgestempelt“

„Was gab es für ein Geschrei um den angeblichen Anschlag in Vintl. Sämtliche Gutmenschen reisten an und verurteilten den „rechtsradikalen“ Anschlag[…]“

„Ihr sehr gut gemachter Artikel verdeutlicht, wie ausländische Schlägerbanden aus nichtigen Gründen brutal zuschlagen“

Dass angeblich auch Gewalt von italienischen Staatsbürgern thematisiert werden sollte, fällt wie in der Berichterstattung hier geschickt unter den Tisch. Tag 2 und 3 nach Beginn der Kampagne: Man rudert scheinbar geläutert zurück. Ähnlich jeder rechtsradikalen Band, die immer wieder betont, dass rechts ungleich Nazi ist, weist man darauf hin, dass das Ganze nicht als Hetze gemeint war. Aus den eigentlichen Texten wird das offenbar nicht klar. Inzwischen durften sich Landesräte mit Taskforces und Arbeitsgruppen profilieren, der Wahlkampf der Freiheitlichen wurde schon mal eingeleitet. Es bleibt die Frage: Warum? Die Antwort ist denkbar einfach.

Die letzten Opfer einer Schlägerei am Abend des 09. Juni: Die zwei Kinder des Chefredakteurs der „Dolomiten“. Sie wurden mit Verletzungen ins Krankenhaus Bozen eingeliefert.

Ein Vater kann vieles tun, wenn seine Kinder Opfer gewalttätiger Jugendlicher werden. Weinen, schimpfen, selbst wütend sein ist erlaubt. Das Instrumentalisieren einer billigen, boulevardesken und hochgradig gefährlichen Berichterstattung sollte nicht dazugehören.

/ar

Advertisements

33 Antworten zu “Stoppt den Inhalt

  1. Das Instrumentalisieren einer billigen, boulevardesken und hochgradig gefährlichen Berichterstattung sollte nicht dazugehören.

    Wieso nicht? Würde das meinen Kindern passieren (j4f zusammengeschlagen zu werden), wenn ich welche hätte, würde ich Himmel und Erde in Bewegung setzen um diese Tat, auch in einer Art Selbstjustiz, zu sanktionieren.

      • Inwieweit man Italien einen richtigen Rechtsstaat nennen will ist jeden selbst überlassen…
        Aber mir kann keiner erzählen dass du, wenn dir das gleiche passiert wäre und die Dolomiten hinter dir hättest einfach nur: „Weinen, schimpfen, selbst wütend sein ist erlaubt.“ bist.
        Denn dann bist du entweder naiv, belügst dich selbst oder beides!

  2. „Dabei ist das Gegenteil der Fall. Von 42 Gewaltfällen, die im vergangenen Monat angezeigt wurden, waren in lediglich 4 Fällen Albaner involviert, italienische und ausländische Staatsbürger/innen halten sich absolut die Waage.“

    Es ist richtig, wenn man der hetzerischen Verallgemeinerung, wie sie derzeit passiert entgegentritt. Dennoch sollte man dabei präzise bleiben, damit man sich in seiner Argumentation nicht selbst disqualifiziert.
    Es wird behauptet, dass „das Gegenteil der Fall“ sei. Dabei würden obige Zahlen doch belegen (wenngleich ob ihrer Kleinheit repräsentative Aussagen nicht möglich sind), dass Albaner 10 Mal (!) häufiger gewalttätig werden als andere. Albaner machen 1% der Südtiroler Bevölkerung aus, sind aber für 10% der Gewaltdelikte verantwortlich. Und wenn sich In- und Ausländer bei der Anzahl der Gewaltdelikte die Waage halten, heißt das, dass Ausländer 5 Mal mehr für Gewalt verantwortlich sind, da sie nicht einmal 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

    Trotzdem tut das nichts zur Sache, da sich dadurch keine Rückschlüsse auf andere Menschen ausländischer Herkunft ziehen lassen.

    Die Argumentation läuft also völlig falsch. Es geht nicht darum ob Ausländer mehr oder weniger Verbrechen begehen, sondern dass man deshalb keinen Generalverdacht konstruieren darf. Auch Männer begehen mehr Gewaltverbrechen als Frauen. Haben wir deshalb ein „Männerproblem“?

    • Wie Sie richtig sagen, stehen das Ausmaß der von ausländischen Mitbürgern begangenen Straftaten in keinem Maß zu ihrem Bevölkerungsanteil. Das liegt an mehreren Gründen, deren Anführung mir im Text einfach zu langwierig erschien:

      1. Zum einen haben ausländische Mitbürger natürlich wesentlich mehr Möglichkeiten, sich strafbar zu machen (Das Fremden- und Asylrecht kümmert Inländer herzlich wenig)
      2. Ausländer werden schon aufgrund ihrer Hautfarbe öfter durchsucht, dass die Polizei „ein Auge zudrückt“ ist unwahrscheinlicher.
      3. Entgegen der Argumentation der Dolomiten würde ich argumentieren, dass es häufiger Ausländer sind, die von einer Anzeige absehen, da sie sich mit Sprach- und Kulturbarrieren konfrontiert sehen. Kann ich aber nicht belegen.
      4. Punkt 1-3 sind wahr, haben aber nicht annähernd soviel Einfluss wie Punkt 4: Ausländer stellen eine der konsistent ärmsten Bevölkerungsgruppen dar. Ihre Familien leben am häufigsten in Miete, haben am häufigsten prekäre, schlecht oder schwarz bezahlte Arbeitsplätze sowie die meisten Kinder. Die Ghettoisierung vieler Stadtteile, die auch viele Stadtregierungen zu verantworten hat, hat ihr übriges dazugetan. Es muss also nicht verwundern, dass es genau diese Familien sind, in denen Gewaltbereitschaft entsteht. In Südtiroler Familien mit ähnlichen Strukturen ist es nicht anders.

      Wir sind uns also einig: Probleme gibt es, sie haben nichts mit der Volkszugehörigkeit zu tun.

      Nichtsdestotrotz sind 42 Gewaltfälle bei über 500.000 Einwohnern keine Pandemie, Albaner sind nicht „immer häufiger“ Schläger und von organisierten Banden ist keine Spur. Das meinte ich hauptsächlich mit dem genauen Gegenteil.

      Und danke fürs Kommentieren.

  3. Zuallererst zu deinem Beispiel: Markus liegt nicht im Krankenhaus und wurde fast totgeschlagen, nein Markus hat „nur“ einen Zahn verloren. Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen und machst es dir damit einfach zu leicht.
    Was bitte ist ein „stinknormaler Südtiroler“? Laut deiner Ausführung hört ein stinknormaler Südtiroler Freiwild und ab und an ein bisschen Xavier Naidoo. Soll ich das jetzt glauben?
    Warum sollte niemand mehr etwas von der Schlägerei zwischen Markus und dem albanischen Jungen wissen? Bei den bekannten Fällen gab es immer Zeugen, Befunde die Polizeiprotokolle.(wenn sie zur Stelle war).
    Dass dein Märchen zudem nicht im Vergleich zu den anderen Fällen stehen kann, ist die Tatsache, dass bei den bekannten Fällen immer mehr Täter zusammen agiert haben und die Opfer in der Unterzahl waren.
    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob, wenn ich krankenhausreif geschlagen wurde, ein traumatisches Erlebnis davontrage und dann noch zusätzlich die Täter nicht ausfindig gemacht werden konnten, es für mich einfach erledigt ist.
    So viel dazu. Ich persönlich finde es einfach eine Frechheit, wenn wirklich tragische kriminelle Vorkommnisse derartig verharmlost werden. Die Opfer werden sich bedanken.
    Die Vorgehensweise der Dolomiten kann ich in auch nicht gutheißen, da es einfach untragbar ist eine Volksgruppe zu stigmatisieren, aber sowie du argumentierst, ist teilweise etwas peinlich. Sowie Erlkönig bereits angedeutet hat, kannst du keine Statistiken lesen. Die Dummen werden es annehmen, aber falsche Informationen sind einfach falsch (Punkt)
    Die meisten feiern doch friedlich, oder etwa nicht? Sicher, ein paar trinken vielleicht etwas zu viel und hin und wieder gibt es mal eine Schlägerei, aber die Vorgehensweise in den bekannten Fällen ist einfach eine andere. Schau dir doch mal an was das für Typen in Bozen waren! Gemeindeverbote, ein langes Vorstrafenregister usw. Da muss ich mich schon fragen: „Besucht das Mondmännchen ab und zu auch mal die Erde?“
    Du ziehst du Problematik meiner Meinung nach etwas ins Lächerliche und erschwerst damit eine vernünftige Diskussion über Gewalt im generellen.
    Ich würde behaupten, dass es für Morddrohungen teilweise auch sehr schwer sein wird einen Beleg zu liefern. Blöd sind die Täter nicht. Wiederholungstäter wissen, dass mündliche Drohungen effektiver sind und keinerlei Spuren hinterlassen. Also bitte sei nicht so naiv. Das die Opfer Angst haben kannst du nicht verstehen? Gut, dass du nie bedroht wurdest.
    i dont call it journalism, maybe fairy tale?
    Dass die aktuelle Thematik einer bestimmten Partei in die Hände spielt, wag ich nicht zu bezweifeln und das es erst prominente Opfer braucht, dass etwas passiert, ist richtig. Da muss ich dir recht geben.
    Prinzipiell sollte jeder in unser Land kommen dürfen, der unserem System wohlgesinnt ist. Ist man nicht bereit sich unseren Gesetzen zu „unterwerfen“, muss man eben irgendwo anders sein Glück suchen. Ich persönlich habe Freunde auf der ganzen Welt. Ich informierte mich stets über die Kultur, bevor ich die verschiedenen Länder bereiste, da ich niemandem auf den Slips treten wollte. Es gibt viele fleißige sympathische Ausländer, die einfach nur in Frieden leben wollen. Wenn sie hier herkommen, um in Frieden leben zu wollen, dürfen sie das auch. Regeln gibt es überall. Wenn man ein Teil der Gesellschaft sein möchte, muss man auch bereit sein, sich dieser Gesellschaft anzupassen. Ich bin überzeugt, dass sich hier jeder integrieren kann, der es auch wirklich ernst meint. Natürlich gibt es auch engstirnige Einheimische bei uns, aber die schimpfen auch wenn sich Patrick die langen Haare nicht schneiden will. „So sieht er ja aus wie ein Kiffer..“ Aber es gibt auch viel aufgeschlossene nette Menschen, denen die Herkunft schlichtweg egal ist. (Über Nazis müssen wir nicht diskutieren, oder?) peace.

    • Ich werde deine Kritikpunkte der Reihe nach abarbeiten, wenn das ok ist.

      1. Missverständnis! Das Argument meiner Geschichte: Markus‘ Zwischenfall ist natürlich NICHT mit den strafrechtlich zu verfolgenden Taten krimineller Mitbürger zu vergleichen. Genau das war der Punkt. Die anderen Fälle wurden zu Recht publik, Markus‘ Fall wird nur deshalb öffentlich, weil die Dolomiten ihm die Möglichkeit gibt, Dampf abzulassen. Diese Öffentlichkeit hätte er sonst nicht. WEIL der Fall nicht vergleichbar ist.
      2. Ich habe wenige statistische Aussagen getroffen, nur den Quästor zitiert. Meine Aussage des „genau umgekehrt“ bezog sich in erster Linie auf die Existenz von Banden, die Zunahme von albanischen Tätern etc. Ist etwas missverständlich formuliert, tut mir leid.
      3. Morddrohungen sind tatsächlich schwer zu beweisen. Gerade deswegen müssen Behauptungen, wie sie die Dolomiten trifft, mit höchster Sorgfalt behandelt werden. Wie grundsätzlich alles, was nicht bewiesen werden kann. Dass sie diese Sorgfalt unter den Teppich kehrt, find‘ ich bedenklich. Das ist alles.
      4. Integration ist nie nur eine Forderung, sondern immer ein gesellschaftlicher Prozess. Dass die Befolgung von Gesetzen dazugehört, ist selbstverständlich, Anpassung an sich muss aber nicht das oberste Ziel sein, auch ein interkulturelles Miteinander kann Früchte tragen. Meint: Wir müssen Musliminnen nicht Kopftücher verbieten, um sie Südtirolerinnen nennen zu dürfen. Dazu kommt: Mit ausgezeichneten Sprachkenntnissen und Internetzugängen und viel Freizeit tun wir uns tatsächlich leicht, uns über andere Länder und Sitten zu informieren und uns vorzubereiten. (Wirtschafts-)Flüchtlinge sind genau deshalb Flüchtlinge, weil sie in den Ländern, aus denen sie kommen, diese Möglichkeiten nicht haben.

      Hoffentlich habe ich alles adressiert, sonst einfach beklagen :)

      Und nein, über Nazis brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber mal schauen, was die Leserbriefe der nächsten Tage mit sich bringen.

      peace zurück

  4. hob es an totalen ski o? Wos isch nor wenns enkere kinder erwischt!
    De leit schlogn zua ohne grund! De drecks rattler kearn ausigsperrt und nimmer innerglossn!
    In moralapostel spielen konn jeder! Ober scheinbor geats es somstigs nia aus also kennt es solche situationen nit erleben.

    Wenn i z.b. somstig in bozen durch die stodt gea nimm i olm mein pfeffer spray mit. Ohnen sem trau i mi nit durch. An jeder ecke stian 3 albaner und schaugn uan bleid un.

    De wos sich nit integriern und lei eier mochn solln oschiabm!

      • Haha du dummer Mensch des gibs jo nit wia men so blind sein konn! Es spielt olm die moralapostel! Und nor hockt enk a albaner nieder wos isch nor? Es miast mol des erleben und nit lei gscheid reidn!

      • Dann geh ich davon aus, dass du es erlebt hast, niedergeschlagen zu werden und möchte mich entschuldigen. Ich wollte dich nicht persönlich treffen.

    • richtig so! des schiangerede der ausländerproblematik isch nimmer trogbor. wos muas denn eigentlich no passieren? dass so a geisteskronker mit an pickel af leit losgeat wia in mailond?

  5. Eines muss uns allen klar sein, Stigmatisierung und Verallgemeinerung ist alles andere als zielführend und wird die Probleme nicht lösen, sondern nur Hass auf allen Seiten schüren. Man muss jedoch verstehen, dass die Ansiedelung anderer Kulturen mit unterschiedlichem gesellschaftlichen Background nur funktioniert, wenn beide aufeinander zugehen. Leider ist es so, dass vor allem aus dem Balkan kommende Menschen (Albanien, Serben, Mazedonien & Co.) aus einer ganz rigoros patriarchal und machistisch kommenden Gesellschaft zu uns übersiedeln, in dem der stärkere, lautere, „männlichere“ Respekt verdient und einfordert, und auch mit physischer Gewalt geltend macht.
    Jetzt treffen diese aus einem solchen System stammenden Menschen, auf eine Gesellschaft, in der genau diese Werte zusehends verpöhnt sind. Treffen auf eine Bevölkerung, die sich durch „gscheid reden und viel Geld haben“ profiliert, noch dazu abschätzig auf diese „armen Bettler“ hinabsehen, „die besser froh wären bei uns ein Dach über den Kopf zu kriegen“. Wo Jugendliche vom fürstlichen Taschengeld ihrer Eltern oft bis in das Erwachsenenalter hinein verhätschelt und verpäppelt werden, in einer Gesellschaft in der Sandkastenstreitereien als asozial und destruktiv angesehen werden, und nicht wie früher als konstruktives Erlernen von Selbstbehauptung und Durchsetzungsvermögen. Wo Eltern Lehrern vorschreiben, dass sie ihre ach doch so braven Kindern nicht negativ bewerten dürfen, da sie… naja, ist ja Wurscht wieso, die dürfen das ihren „Schatzln“ halt einfach nicht antun.
    Dass sich hinsichtlich solcher kulturellen enormen Distanzen und fehlendem Verständnis Krisenherde auftun, ist selbstverständlich und eine logische Schlussfolgerung. Wenn ich mir eine sozio-historische Einschätzung erlauben darf, so ist es für mich z.B. höchst interessant, dass etwa Kosovo-Albaner, die in ihrer Minderheit im Herkunftsland in der Geschichte stets unterdrückt und gepeinigt worden sind von den stärkeren Volksschichten, diejenigen „Albaner“ sind, die sich am besten bei uns ansiedeln lassen; die es gelernt haben sich zu integrieren und die froh sind endlich auch Respekt erwiesen zu kriegen, weil sie einfach Mensch sind (eine Anerkennung, die ihnen in ihrer Heimat leider über Jahrzehnte hinweg verwehrt blieb).
    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Nicht nur die „anderen“ müssen lernen, so zu werden wie wir, sondern auch wir müssen uns von unserer Wattebauschhaltung etwas entfernen und wieder lernen an zu packen wie damals, als noch nicht alles auf dem Silbertablett serviert wurde. Wir müssen die 60er-Jahre endlich hinter uns lassen, und lernen, dass die Welt etwas härter ist als unsere flauschigen Kaltschaumatratzen. Den Respekt, den andere durch Gewalt erreichen, werden wir aus Verständnisbereitschaft und Gastfreundschaft einfordern, Konflikte werden und sollen sich da leider nicht vermeiden lassen. Wir werden gemeinsam lernen, dass es auch ohne Fausthiebe im Leben weiter geht, aber auch, dass man sich nicht immer alles gefallen lassen muss. Und vielleicht schaffen wir dadurch auch die Rückkehr zu alten Zeiten, in denen man sich ab und zu auch eine aufs Maul gab, aber danach seine Lehre daraus gezogen hat.

  6. Was sollten wir dann Ihrer Meinung nach machen? Für die Gewalttaten von Einwanderern Verständnis zeigen oder sie gar tolerieren, nur weil der eine oder andere in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist? Das entschuldigt gar nichts. Auch die Haarspalterei ob es nun Banden sind oder nicht, ist total irrelevant; dann sind es halt Gruppen von 5,6 oder 7 Leuten die sich regelmäßig am WE treffen und auf Krawall aus sind. Selbst gesehen und Bekannte haben da auch schon einiges „mitgemacht“.
    Den Dolomiten eine Hetze alla NS-Regime zu unterstellen ist auch ein starkes Stück. Mir persönlich geht es auch nicht darum, ob es Albaner, Italiener oder andere Leute sind die Krawall machen, aber eines brennt den Leuten schon unter den Nägeln, wie kann ein Mensch wie im speziellen Fall der bereits mit 20Jahren soviel auf dem „Lebenslauf“ aufzuweisen hat immernoch frei rumlaufen?
    Eines ist natürlich richtig, Hetze bringt nichts, das erzeugt nur noch mehr Wut, aber das Gerede man solle doch etwas Verständis für die armen Teufel haben und so tun als hätten man selbst schuld wenn man in eine Schlägerei gerät, weil es könnte ja sein, dass man selbst provoziert, getrunken, oder was weiss ich was, getan hat.

    • ich spreche in meinem kommentar nich von verständnis, sondern von unterschiedlichen ansichtsweisen, die jedoch KEINESFALLS EINE ENTSCHULDIGUNG der täter sind. ich spreche ehr dafür, dass es auch für uns „zivilisierten“ (obwohl meines erachtens die bezeichnung weicheier besser auf uns passen würde- mich eingenommen) vielleicht mal an der zeit wäre, weniger sozial und rücksichtsvoll zu denken, sondern sich irgendwo in der mitte mit dem thema gewalt auseinander zu setzen, anstatt medial auf „die da von dort drüben“ zu zeigen, oder laut nach mamma (oder papi toni) zu schreien… gewalt kann oft ausdruck von mangel an perspektive oder frust sein, ist aber vor allem bei jugendlichen einfach oft nur deren art respekt innerhalb oder außerhalb der gruppe zu erfahren. und wenn es nicht anders geht, dann kann ein jugendlicher mit migrationshintergrund auch mal mit uns ranggeln, um sich seine männlichkeit zu beweisen. ich habe in viele situationen gelernt (jahrelange erfahrung als jugendarbeiter), dass in anderen kulturkreisen das kuschen einfach nicht als zeichen von überlegenheit wie bei uns gedeutet wird, sondern als schwäche… wenn wir von unseren neuen mitmenschen respektiert werden wollen, dann müssen wir ihnen zeigen, dass wir sie zwar willkommen heißen, aber auch wir die ärmel hochkrempeln können. ich spreche hierbei nicht von einem aufruf nach gegenangriff, sondern von konfrontation auf menschlicher ebene, nicht über die medien!

  7. Kompliment für diesen Artikel!
    Ihre Ausführungen beschreiben klar und verständlich die Gründe bzw. die Motivation dieser Skandal-Kampagne.Es stimmt mich bedenklich, wie der Zorn und die Enttäuschung einer einzelnen Familie über ein persönliches Schicksal dazu führen kann, durch gezielte Berichterstattung sozialen Unfrieden zu schaffen und gewissen Leuten eine derartige Plattform für ihre Ausländerhetze zu bieten.

  8. Worau willst du eigentlich hinaus?
    – dass Ebner seine Macht nicht missbrauchen soll
    – dass der Vater seine Kinder nicht rächen soll oder
    – dass die Aktion „Stop der Gewalt“ rassistisch motiviert ist?

    Übrigens scheint es mir mittlerweile eines jeden Bürger quasi anständige Pflicht die Dolomiten zu hassen und auf Druck nationale Paralellen zwischen Athesia-Dolomiten-Ebner und Mondadori-Giornale-Berlusconi zu suchen. Dazu meine Meinung: liebe Leute.. das ist ein lokales Volksblatt mit einer Auflage von unter 60.000. Südtirol ist nicht der Mittelpunkt des Universums porze hittn. Ausserdem kennt jedermann die Deutsch-Katholische Gesinnung der Zeitung. Die Alternativen für anders gesinnte gibts auch am Zeitungskiosk. Soviel mein Statement zum Thema: Überhitzung der Gemüter in anbetracht lokalen Klatschs und Tratschs

    • – Ja, Ebner sollte seine Macht nicht missbrauchen
      – Ja, er sollte seine Kinder nicht rächen
      – Nein, das glaub ich nicht. Vielmehr kommt mir vor dass hier aus einer emotionalen Reaktion ein Thema entstanden ist, dass leider viel rassistisches Gedankengut mit sich trägt. Dafür kann die Dolomiten was. Dass die Motivation war, rassistisch zu schreiben, glaube ich nicht.

      Die Dolomiten hat eine Auflage von 50.410 an Wochentagen. Wie sie aber selbst stolz zugibt, ist ihr Leserkreis wesentlich größer. Eltern kaufen eine Ausgabe für Familien, Gaststätten lassen sie aufliegen etc. Damit steigt der Leserkreis auf fast ein Drittel der Südtiroler/innen.
      Und wenn man lokalen Rassismus nicht mehr thematisieren darf, warum schreibt dann irgendwer noch über die Kärntner FPÖ, die Äußerungen von Biancofiore oder die NPD im sächsischen Landtag?
      Eine Nation ist auch nur eine größere Provinz.

      • Das kann sein, jedoch ist vieles Propaganda und die Reaktion dient allzuoft der Aktion selbst.

        Andererseits ist es für eine Gesellschaft aber höchst ungesund Schwierigkeiten zwischen den Volksgruppen zu tabuisieren oder gar vor sich her zu schieben, oder? Vor allem in dieser unserer Zeit, wo die patriotische Idylle des Bergbauernhofes und des Pflicht-Hochamts am Sonntag dank Globalisierung u.ä. für viele zu zerbröseln scheint. Bestimmt wären die Dolomiten Kommentare nicht so ausgefallen wie sie sind, wenns nicht irgendwo bereits brodeln würde.

      • So wie ich das sehe, sind die Schwierigkeiten nicht zwischen Volksgruppen da, sondern zwischen sozialen Schichten. Dass daraus nicht Generalisierungen über Volksgruppen werden, liegt auch in der Verantwortung der Medien.

      • Die Medien tragen Verantwortung, das ist klar. Aber dass Reibungen zwischen sozialen Schichten, eher denn zwischen Volksgruppen aufkommen, das stimmt nicht. Südtirol zeigt immer wieder Reibungen zwischen dt. und ital. und nun reibt man sich auch an den anderen Volksgruppen im Lande, aber Klassenkämpfe, nein… die haben wir hier keine. Beispiele: Toponomastik, AVS Beschilderung, gemischte Schulen, Schulen für Ausländer, fascho Relikte, immer wieder Biancofiore, „sconforto italiano“, Schützenaufmarsch, Alpini uvm. alles Probleme aus kulturellen Clashs.

  9. Selten so einen Blödsinn gelesen, der ganz einfache Fakten probiert zu vertuschen. Spätestens wenn einer von euch Ignoranten selbst einmal mit dem Problem Gewalt konfrontiert wird, wird dieser nicht mehr so darüber denken.
    Plus auf professioneller Recherche dürfte dieser Text nun wohl auch nicht basieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s